Neukölln.
Ich sauge den mief der Stadt, diese bunten Menschen und die vielen aneinander gereihten Worte, die für mich keinen Sinn ergeben, auf.
Deine Schritte neben mir.
Ab und an greifst Du nach meinem Arm, drückst meine Hand oder gibst mir einen Kuss auf die Wange.
All das - mit Nähe und der nötigen Distanz.
Meinerseits.
Freundschaft.
Und trotz den beiseite geschobenen Hintergedanken am genießen.
Es funktioniert.
Als wir an einem Fotogeschäft vorbei schländern.
Bleibe ich stehen.
Drücke mir schier die Nase an den Schaufenstern platt.
Eine Kamera schöner als die andere.
“Ich muss mir  mal Fotorahmen besorgen & dann brauche ich Fotos von Dir.”
Das sagst Du.
Ich sehe Dich verwirrt an. “Von mir?”
“Ich finde deine Fotos klasse. Ich hätte davon gerne ein paar in meiner Wohnung.”
Mehr kann man mir nicht schmeicheln.
Das weisst Du.
Als die Leute anfangen ihre Lichter in den Wohnung anzuknipsen trennen sich unsere Wege.
Ein paar Stunden später, Du bedankst Dich für den schönen Tag und dass Du meine Nähe sehr genossen hast.
Versiegelst deine Nachricht mit einem Kuss.

Und ich spüre wie mein Herz schlägt.

“Das wars!”

Ich schiebe jetzt alles beiseite. Vom ersten Kuss zwischen den Bässen und Lichteffekten im Club bis hin zum letzten Sex, am Busen der Natur, die dein Stöhnen wie ein Echo in meinem Kopf nachhallen lies.

Ich wische deine tiefen Blicke weg. Entsorge deine Spuren, die du in meiner Wohnung gelegt hast und vergrabe mich im Optimismus. Ich höre auf zu rauchen, trinken, atmen - weil ich dies alles mit Dir getan habe. So kann es klappen.

Und während ich mir die Pläne für eine Zukunft ohne Dich und die freundschaftlichen Ficks ausmale, verschleiert mein Blick. So sehr, dass ich mich in die vergangenen Bilder halten muss, die ich in mir trage und keine Anstrengungen von nöten sind.

Kann nicht mehr still sitzen, die Unruhe in mir macht mich zum Kasper, deinen Pausenclown - über den Du gerne lachst. Das Chaos in mir treibt mich an. Und Du, Du bist mein Ritalin. Mach mich taub. Ruhig. Mach mich still. Ritalinkuss.

“Wir sind Lebemenschen!” und im nächsten Moment hast Du eine andere Schönheit im Arm. Rufst mich am nächsten Tag an, erzählst mir von Details die lieber im Groben behalten werden sollten oder in der Nacht zurück gelassen. Doch ich sage “Ja, wow.. die war ja wirklich hübsch! Dann hat es sich ja für Dich total gelohnt.”
Ich bin das nicht. Der Machokumpel der zum Triumph gratuliert. Am liebsten würde ich Dir zurufen “Ich war den die ganze Nacht auch da, weisst Du noch - ich das Mädchen immer in deiner Nähe, dass sich eigentlich nur für Dich in diesen Fummel geschmissen hat. Ich hab mich jede Sekunde nach deiner Aufmerksamkeit verzerrt”

Das war’s.
Bis zum nächsten mal, wenn Du dich bei mir meldest.
Bis zum nächsten Kuss, Sex, umklammern.
Das war’s.

“Noch einen, bitte.”

während ich hier noch in Unterwäsche sitze und an meinem Martini nippe, schreit mir jedes Ticken meines Weckers entgegen, dass ich zu spät komme.

Aber ich habe wichtigeres zu tun. Wichtiger als mich mit Menschen zu treffen, denen ich am Herzen liege. Ich muss mich um den Menschen kümmern der sich nicht um mich kümmert, der mir - wenn überhaupt - einen viel zu kleinen Platz in seinem Herzen zugeteilt hat.

Noch einen Schluck Martini.

Und noch einen erstöberten Text in den weiten des www in dem es um Freundschaft und Ficken geht. Ich brauche die Bestätigung, dass es nur auf diesen beiden Elementen basieren kann.

Ich zweifle. Mein Herz klammert sich an diesen Gedanken.

Ich möchte eines dieser Frauen sein, die als “Schlampen” verschrien werden. Ohne Scham. Mit der Lust alles zu tun, was man will.

Doch da kommt mir meine Blutpumpe dazwischen.

Noch einen Schluck. Alle Fenster geschlossen, die virtuellen. Und raus in die Welt.

“nun komm”

komm
ich male dir einen
regenbogen auf deinen
bauch 
ganz sacht mit der
zunge von einer seite zur
anderen

puste wie ein
sommerwind gegen
den feuchten bogen
und dir wird winter
und du drückst mich 
an dich

du kennst diesen
trick
aber fällst immer
wieder darauf hinein
und lässt dich fallen

komm
ich drucke dir
ein lächeln ins
gesicht 
mit meinem 
stempellachen
das ich dir
unter die nase
drücke

lege mundwinkel
an mundwinkel
und forme mit der zunge
von innen deine
lippen zu einer mondsichel
die ihre beinchen in den
himmel streckt

du könntest sicher auch
von alleine lachen
aber so brauchst du deine
muskeln nicht anstrengen
und lächelst auch viel
natürlicher

komm
ich laminiere dich
mit meiner haut
schließe deine lust
mit mir ein und
ernähre mich davon
lass nichts durchdringen
was dir dein stöhnen 
nehmen könnte
und werde zur zweiten 
haut

du wirst es mögen
denn du lachst ja 
und außerdem ist dir
magisch kalt
da brauchst du eine
portion
menschenhülle

gut dass es mich für
dich gibt